Regulierungen im Energiefeld und im Qigong

Von der psychischen und physischen Regulierung der 5 Organe im Energiefeld und im Qigong, sowie vom Geist als deren verborgener Quintessenz

Eine seltsame Gruppe

Einer steht da, leicht schwankend, mit einem seligen Lächeln im Gesicht; einer krabbelt auf dem Boden, als würde er nach etwas suchen; ein junges Mädchen weint herzzerreißend; eine singt mit viel Gefühl und schöner Stimme ein uraltes Lied; einer scheint eine Art Kampfkunst zu trainieren; einer verzerrt sein Gesicht, als wolle er zu schreien beginnen – und tatsächlich bricht nach einiger Zeit ein gewaltiger Aufschrei aus ihm heraus; einer lacht aus vollem Hals und scheint sich gar nicht beruhigen zu können; eine steht da wie eine Statue mit zum Himmel erhobenen Händen; eine ältere Dame vollführt Sprünge, die sie in ihrem normalen Alltag wohl nicht mehr schafft.

Die hier im Raum versammelten Personen geben ein seltsames Bild ab. Allen gemeinsam ist: sie haben die Augen geschlossen, sie scheinen in ihre eigenen Aktionen versunken und nichts von den Geschehnissen um sie herum mitzubekommen.

- Wo sind wir da hineingelangt?

Es ist ein Energiefeld der Dao Yuan Schule.

Nach einer guten halben Stunde werden die Teilnehmer aufgefordert, wieder zur Ruhe zu kommen; ihre Bewegungen ausklingen zu lassen; aufzustehen, insofern sie sich hingesetzt oder hingelegt hatten. Nach kurzer Zeit stehen alle still nebeneinander, reiben sich die Hände und das Gesicht und öffnen langsam wieder die Augen.

Was ist ein ‘Energiefeld’?

Mit dem Begriff ‘Energiefeld’ werden sehr unterschiedliche Dinge bezeichnet:

Manche verstehen darunter das mit den zwei Augen nicht wahrnehmbare energetische Feld, das alles Lebendig von Natur aus umgibt.

Auch gibt es Methoden, die nichts mit dem Qigong zu tun haben, die jedoch vermittels der Verbindung der Energie aller Teilnehmer Gruppenphänomene hervorrufen können, welche den oben beschrieben ähneln.

Im Qigong versteht man unter diesem Begriff außerdem eine durch bestimmte Methoden bewirkte Verstärkung des natürlichen ‘Energiefeldes’ des Menschen. – Dies sind Methoden, mit deren Hilfe man eine Art Schutzhülle um sich herum aufbauen kann.

Letztere werden an der Dao Yuan Schule zwar auch an fortgeschrittenere Teilnehmer vermittelt, doch ist das Energiefeld, welches die seltsamen Phänomene der obigen Darstellung hervorrufen kann, noch etwas ganz anderes. Es ist auch nicht das Gruppen-Qi, das sie hervorruft, ebenso wenig spielt unser natürliches energetisches Feld dabei eine Rolle.

Die Art des Energiefeldes, um das es hier geht, kann man weder erlernen noch imitieren. Die Fähigkeit, es herzustellen, wird im Qigong vom Meister auf den Schüler übertragen. – Wenn man so will, eines der Geheimnisse des Qigong. Was dabei passiert, ist einfach gesagt: man holt kosmisches Qi in den Raum. Dieses verstärkt die Qi-Zirkulation der Teilnehmer, wobei es zu den unterschiedlichsten Reaktionen kommen kann. Wozu man als Initiator allerdings fähig sein muss: man muss das Energiefeld kontrollieren und beenden können.

Warum können diese seltsamen Phänomene auftreten?

Kein Mensch gleicht dem anderen. Jeder hat seine eigenen Anlagen, seine eigene Geschichte, seine eigenen Blockaden, seine eigenen Vor- und auch Nachteile. Doch sind wir alle mit dem kosmischen Qi verbunden, auf dieses geht unsere Entstehung zurück. Das kosmische Qi ist rein und stark, es speichert alle Information.

Wird dieses kosmische Qi nun in den Raum ‘geholt’, so befinden sich die Anwesenden in einer Art Bad aus reinem, alle Information beinhaltendem Qi. Da es stärker ist als das Qi der Anwesenden, kann es deren Qi-Zirkulation verstärken und sie können auch Informationen aufnehmen, die für sie von Bedeutung sein können.

Verstärkt sich die Qi-Zirkulation, so kann dies Bewegungen oder auch bestimmte andere, individuell sinnvolle Reaktionen auslösen.

Diese Reaktionen haben in der Regel ausleitenden Charakter. Je entspannter man im Energiefeld sein kann, desto mehr wird ausgeleitet. Je mehr verbrauchtes oder gar krankes Qi man ausleitet, umso mehr reines Qi kann man aus dem Energiefeld aufnehmen. Je mehr reines Qi man aufnehmen kann, umso deutlicher sind seine positiven Ergebnisse.

Die fünf Organe

Oben sind verschiedene der im Energiefeld möglichen Reaktionen beschrieben: viele von ihnen stehen im Zusammenhang mit den menschlichen Emotionen. Die chinesische Medizin begreift die menschlichen Gefühle nicht als separate, neben dem Körperlichen existierende Phänomene. Diese Art des Denkens versteht Psyche und Soma als untrennbar miteinander verbunden. Ihre Verbindung konzentriert sich in den 5 Organen: deren Äußerungen können sowohl psychischer als auch physischer Natur sein.

Wer sich mit chinesischer Medizin beschäftigt, weiß, dass den 5 Organen je verschiedene Emotionen entsprechen, dass sie je verschiedene ‘Öffnungen’ haben, dass ihnen je verschiedene Farben korrespondieren usw.

Einige davon will ich hier in Erinnerung rufen, der Einfachheit halber schematisch, wie in den Lehrbüchern üblich:

Yin-Organ

Yang-Organ

Farbe

Gefühl

Gefühlsäußerung

Öffnung

Wandlungsphase

Leber

Gallenblase

Grün

Wut

Schreien

Augen

Holz

Herz

(Perikard)

Dünndarm

Dreifacher Erwärmer

Rot

Freude

Lachen

Zunge

Feuer

Milz

Magen

Gelb

Denken

Singen

Mund

Erde

Lungen

Dickdarm

Weiß

Trauer

Weinen

Nase

Metall

Nieren

Blase

Schwarz

Angst

Stöhnen

Ohren

Wasser

Die Verbindung der Gefühle mit den 5 Organen ist folgende:

Wut ist die Fähigkeit der Leber. Zu viel Wut schädigt die Leber.

Freude ist die Fähigkeit des Herzens. Exaltierte Freude schädigt das Herz.

Denken ist die Fähigkeit der Milz. Zu viel Denken schädigt die Milz.

Trauer ist die Fähigkeit der Lungen. Zu viel Trauer schädigt die Lungen.

Angst ist die Fähigkeit der Nieren. Zu viel Angst schädigt die Nieren.

Unsere Fähigkeiten, der Situation angemessen auf unsere Umwelt zu reagieren, können sich also unter Umständen auch gegen uns selber wenden. Als erstrebenswert betrachtet die chinesische Medizin ein relativ harmonisches Fließgleichgewicht zwischen den Organen – und damit auch unter den Emotionen. Sie versucht, es mit ihren Methoden zu unterstützen oder auch wieder herzustellen.

Die 5 Organe im Energiefeld

Warum sind die Reaktionen im Energiefeld so verschieden? Warum schreien manche, warum lachen manche, warum singen manche, warum weinen manche, warum stöhnen und seufzen manche zutiefst?

Nicht alle Menschen reagieren auf den selben Reiz mit den gleichen Emotionen. Jeder reagiert entsprechend seiner eigenen Disposition. Personen mit starkem oder schwachem Leber-Qi reagieren anders als Personen mit starkem oder schwachem Lungen-Qi. Das Organ, in dem wir unsere Stärke oder unsere Schwäche haben, wird im Alltag am ehesten auf Reize reagieren – und kann eventuell dadurch beeinträchtigt werden.

Im Energiefeld befindet sich das Qi in verstärkter Zirkulation. Die verstärkte Qi-Zirkulation ‘stolpert’ über bestimmte Blockaden, das Qi wird durch diese in seiner harmonischen Zirkulation gehindert. Dadurch kann es zu organspezifischen Reaktionen kommen: man möchte schreien oder lachen, singen, weinen oder aufstöhnen.

Und wo unsere eventuell übertriebenen Emotionen im Alltag mit unserer Persönlichkeit oder unserem Charakter in Verbindung gebracht werden, in der Psychologie eventuell mit traumatisierenden Erfahrungen – so werden diese, zeigen sie sich im Energiefeld oder im Qigong, als Ausdruck energetischer Blockaden verstanden, die auch mit energetischen Methoden bearbeitet werden können. Wo das Qi gut zirkulieren kann, sind Körper und Psyche in einem relativ harmonischen Zustand. Diesen herzustellen, ist Ziel der chinesischen Medizin, es ist auch eine der Wirkungen des Qigong. Während die chinesische Medizin hier jedoch bewusst lenkend eingreift, weiß man beim Qigong nie, was dabei herauskommt: das Qi folgt hier seinen eigenen Gesetzen.

Eine Erfahrung aus dem ersten Energiefeld, an dem ich teilgenommen habe

Meister Guo Bingsen hat in Deutschland von Beginn seines Unterrichts an auch

Energiefelder angeboten. In deren Vorfeld wird man darauf hingewiesen, in bestimmten Situationen seines Ablaufs bewusst an die Bereiche zu denken, in denen man sich Veränderungen wünscht. Ich hatte damals sehr unter Allergien, auch Asthma zu leiden. Also dachte ich an meine Lungen. – Was geschah jedoch? – Meine Augen begannen sich hin und her zu bewegen! Ich wunderte mich, denn meine Augen waren mir nie als Problem erschienen.

Auf dem Nachhauseweg wunderte ich mich ein zweites Mal: alles sah so anders aus! Alle Farben waren intensiver, leuchtender; alles hatte mehr Tiefenschärfe! – Das freute mein naturverbundenes Herz. Das freute mich sehr, erklären konnte ich es nicht. Erklären konnte ich es nicht. In der Zwischenzeit habe ich verstanden, dass das Qi im Qigong seine eigenen Wege geht, um Dinge zu regulieren. In manchen Fällen kann die Vorstellung dabei hilfreich sein, in anderen ist sie nicht nötig.

Reaktionen beim eigenen Üben

Übt man bestimmte Qigongformen, so können auch hier verschiedene Reaktionen auftreten, die auf die Regulierung bestimmter Organe hinweisen. Diese sind in der Regel weniger intensiv als im Energiefeld, auch äußern sie sich häufiger auf der physischen Ebene.

Übt man zum Beispiel Fan Teng Gong oder Nei Jing Gong, gerät man nicht selten ins Schwitzen. Man schwitzt, obwohl man doch nur auf der Stelle steht und sich äußerlich kaum bewegt. Doch diese Qigongformen bringen das innere Qi in starke Bewegung. Das Blut folgt dem Qi, bewegt sich also auch schneller als üblicherweise. Wenn das Blut schnell zirkuliert, dann schwitzt man. Manche schwitzen überall – manche schwitzen nur an bestimmten Stellen. Erstaunlicherweise bilden sich die entsprechenden Schweißtröpfchen dann häufig dort, wo Meridiane verlaufen – Meridiane, die zu Organen gehören, in denen die jeweiligen Übenden möglicherweise ein Problem haben. – Haben – oder hatten: dieses partielle Schwitzen hat ausleitenden Charakter. Bildet sich an diesen Stellen kein Schweiß mehr, so weist dies auf die gelungene Auflösung der zugrundeliegenden Blockade hin. Personen mit von Natur aus starkem Qi hingegen schwitzen eher unspezifisch. – Dies kann so weit gehen, dass sich beim Üben unter ihnen kleine oder größere Schweißpfützen bilden.

Doch auch an anderen Stellen kann Wasser fließen. Zum Beispiel aus der Nase. Oder aus den Augen. – Die Nase ist die Öffnung der Lungen. Zu dieser zählen auch die gesamten Atemwege. – Es läuft also unaufhörlich aus der Nase, so lange bis es aufhört. Die Augen sind die Öffnung der Leber. Beim Üben kann es passieren, dass die Tränen fließen, ohne dass man weint, ohne dass traurige Gefühle vorhanden wären. – Unaufhörlich, so lange bis es aufhört.

Ein Teilnehmer mit Glatze hatte zusätzlich zu den tränenden Augen beim Üben auch ein starkes Schwitzen auf der Platte – und nur dort. Nach sechs Wochen häuslichen Übens wurde ihm das unheimlich und er hörte damit auf. Das hat er mir erzählt, nachdem er Jahre später doch wieder an die Dao Yuan Schule gefunden hatte. – Hätte er es mir früher erzählt, ich hätte ihn aufklären und beruhigen können. Ein Qigonglehrer sollte die Zusammenhänge derartiger Phänomene kennen. Aber ein Schüler muss auch erst einmal auf die Idee kommen, dass man selbst seltsamste Phänomene häufig sehr einfach erklären kann. – Wer die obige Tabelle genauer betrachtet hat, wird erkennen, dass bei diesem Teilnehmer wohl vorrangig ein Ungleichgewicht im Holz-Element reguliert wurde: die Augen sind die Öffnung der Leber, auf dem Kopf befinden sich mehrere Bahnen des Gallenblasenmeridians. Beide gehören zum Holzelement.

Reaktionen, die sowohl im Energiefeld, als auch beim eigenen Üben auftreten können

Häufig auftauchende Reaktionen sowohl im Energiefeld als auch beim eigenen Üben sind vorübergehende, manchmal auch blitzartig auftretende Schmerzen in bestimmten Bereichen. Zum Beispiel fuhr es mir im oben erwähnten Energiefeld bei Meister Guo dann doch noch – tatsächlich wie ein verästelter Blitz – quer durch die Lunge. Seitdem waren einige meiner allergischen Symptome verschwunden und sind bisher nicht wiedergekehrt.

Eine Schülerin der Dao Yuan Schule hatte einen nach innen gekrümmten kleinen Finger. Das ist keine Krankheit. Im kleinen Finger verlaufen der Herz- und der Dünndarmmeridian. In der Pause eines Kurses kam sie ganz aufgeregt zu Meister Guo: „Mein Finger ist gerade!“ Vorher hatte sie dort beim Üben ebenfalls jenen kurzen, blitzartigen Schmerz empfunden. Danach war der Finger gerade. Nicht auszuschließen, dass sich etwas in ihrem Feuer-Element reguliert hatte.

Auch bestimmte Emotionsäußerungen können nicht nur im Energiefeld, sondern auch beim eigenen Üben auftreten. – Man denkt an etwas und muss weinen. Oder man muss weinen und weiß gar nicht, warum: das Metall-Element wird reguliert. Analoges gilt auch für die anderen Wandlungsphasen.

Bestimmte Regulierungen können sich auch über einen längeren Zeitraum hinziehen. Einer unserer Kursteilnehmer war ein sehr geduldiger und zurückhaltender, freundlicher Handwerker. Eine Zeit lang verlor er auf einmal sofort die Geduld und jede Zurückhaltung, was seine Kollegen etwas irritierte. Irgendwann änderte sich das dann wieder. Aber er konnte seine Ansichten nun deutlicher erkennen und anderen gegenüber ausdrücken.

Ähnliche Nachwirkungen kennen manche Teilnehmer auch aus dem Energiefeld.

Mit derartigen Reaktionen sollte man gelassen umgehen: sie bringen Neues, aber nichts Schlechtes.

Der Unterschied von Energiefeld und eigenem Üben

Das Energiefeld geht über physische und psychische Regulationen, wie man sie normalerweise der Gesundheit zuordnet, hinaus. Es kann zu Phänomenen führen, die sonst erst nach Jahren des eigenen Übens auftreten. Denn im Energiefeld ist nicht nur viel Qi, sondern auch kosmische Information.

Ganz oben war von einer Dame die Rede, die sehr sinnig ein ganz altes Lied vor sich hin sang, und zwar gut. Sie hatte vorher nie Gesangsunterricht genommen. In diesem Fall handelte es sich weniger um eine Regulierung ihres Erd-Elementes, sondern eher um den Ausdruck kosmischer Information, die sie aufgenommen hatte.

Man kann im Energiefeld auch ganze Musikstücke hören – nur man selber, die anderen Teilnehmer nicht. Oder man hört Stimmen. Oder man sieht Gestalten oder Jahrhunderte zurückliegende Ereignisse. – Und nein: man ist nicht verrückt.

Der Kosmos birgt alle Information. Sehr langes eigenes Üben oder manchmal auch das Energiefeld können Teile davon zugänglich machen. Daraus können sich ‘die außergewöhnlichen Fähigkeiten’ entwickeln. Diese Fähigkeiten erreichen uns über den Yuan Shen, unseren Ursprungsgeist.

Außergewöhnliche Fähigkeiten im Alltag

Sehr sensible Menschen können derartige Informationen manchmal auch im Alltag aufnehmen. In der Regel können weder sie selber noch ihr Umfeld sie richtig deuten: was man nicht kennt, kann leicht überfordernd wirken. Geht diese Fähigkeit außerdem mit Persönlichkeitsveränderungen einher, so wartet oft schon die Psychiatrie. (Eventuelle Persönlichkeitsveränderungen im Zusammenhang mit außersinnlichen Wahrnehmungen haben jedoch nicht selten noch andere Gründe, auf die hier nur insoweit eingegangen werden soll, als dass man in deren kritischen Phasen weder Qigong üben, noch an einem Energiefeld teilnehmen sollte.)

Allerdings hört man auch von Komponisten und anderen Künstlern oder hochrangigen Wissenschaftlern, dass sie ihre Ideen und Erkenntnisse der ‘Eingebung’ verdanken. In diesen Fällen ist der Zugang zu kosmischer Information auch ohne Qigong gelungen.

Das ozeanische Gefühl, Yuan Shen und Shi Shen

Die Inspirationsquelle mancher Künstler ist wohl das, was der Schriftsteller Romain Rolland in einem Briefwechsel mit Sigmund Freud einmal das ‘ozeanische Gefühl’ nannte. Freud versuchte in seiner Antwort sehr aufrichtig, dieses Gefühl, das ihm selber fremd war, rational zu analysieren und einzuordnen.

Aus dem Blickwinkel des Qigong würde man sagen: Eingebungen aus dem Unbewussten, auch die Empfindung des Ewigen, Unbegrenzten, entspringen dem Yuan Shen – unserem ‘Ursprungsgeist’. Rationale Analyse entspringt dem Shi Shen, dem Geist der Kenntnisse und der zielgerichteten Aktion. Ist im Qigong die Rede von der ‘Kultivierung des Geistes’, so ist damit die Entwicklung des Yuan Shen gemeint. Dieser wird häufig vom Shi Shen dominiert, doch ist es gerade der Shi Shen, der dem Yuan Shen die Bedingungen schaffen kann, unter denen er seine volle Entfaltung erreichen kann.

De und die Kultivierung des Geistes

Die ‘Tugend’ heißt im Chinesischen ‘De’. Im Dao De Jing des Lao Zi heißt es: „Hohes De weiß nicht vom De – darum hat es De.

‘Hohes De’ ist sich also seiner selbst nicht bewusst.

Guo Bingsen schreibt in seinen Erläuterungen zum Dao De Jing: „De ist die Funktion und der natürliche Ausdruck des Dao in allen Wesen der Welt. Es ist die moralische Qualität der Menschen. Auch ist die Praxis des De der wahre Garant eines glücklichen Lebens.“

Ohne De kann sich der Yuan Shen nicht entfalten.

Will man ‘den Geist kultivieren’, soll man versuchen, sich seiner Fehler bewusst zu werden und sie ins Gute zu wenden. Unsere Verfehlungen hängen oft mit unseren Emotionen zusammen. Bestimmte Methoden des Qigong können uns helfen, sie zu klären.

Auf dieser Basis können sich in vielen Jahren der Arbeit an sich selber verschiedene Emanationen unseres Geistes manifestieren. Man nennt sie Yin Shen 阴神, Yang Shen 阳神, Yuan Shen 原神, Sheng Shen 圣神 und Yu Shen 玉神. Ihre Quintessenz verbirgt sich in unseren Organen.

Insoweit sie von uns selber abhängt, ist die Praxis des De der wesentliche Teil der Kultivierung von Xing – Ming 性命: Geist/Natur – Leben. Dann kann der andere wesentliche Teil aus dem Kosmos auf den Yuan Shen wirken. Außergewöhnliche Fähigkeiten sind erste, notwendige Zeichen. Man sollte sich von diesen nicht blenden lassen, sondern bescheiden und einfach bleiben.

© Edith Guba

Erschienen im Jahr 2017 in der Zeitschrift YinYang